Erfahrungsbericht von Lisa Rosch (Assistenzärztin aus Sachsen)

Ich arbeitete zweieinhalb Jahre an einer Klinik der Schwerpunktversorgung und war nach meinem Common Trunk endlich in der Unfallchirurgie angekommen. Dann wurde ich schwanger. Meinen direkten Vorgesetzten erzählte ich frühzeitig von der Schwangerschaft, um nicht bei Eingriffen mit Röntgeneinsatz assistieren zu müssen. Ließ sich dies einmal nicht vermeiden, verließ ich ganz einfach den OP-Saal. Nach den typischen drei Monaten erzählte ich dann meinem Chefarzt von der Schwangerschaft und wurde von den Diensten befreit. Ich äußerte sofort meinen Wunsch, auch in der Schwangerschaft weiter operieren zu können. Durch eine schwangere Kollegin hatte ich von OPidS erfahren und wusste so, welche Schritte für eine Weiterbeschäftigung im OP von Nöten waren.

Mit Literatur und Checklisten ausgestattet, war das Gespräch mit der Betriebsärztin erbaulich, die zwar Bedenken äußerte, meinem Vorhaben jedoch nicht entgegenstand. Auch mein Chefarzt wollte mich unterstützen. Einzig das präoperative Screening auf HIV und Hepatitis C sah er aus Kostengründen und einem „Zunahetreten“ dem Patienten gegenüber als nicht realisierbar an. Mit dem Leiter der Abteilung Unfallchirurgie besprach ich mögliche Eingriffe. Es handelte sich vor allem um Materialentfernungen ohne Röntgeneinsatz, Arthroskopien und Sehnennähte- sowie aseptische Weichteileingriffe.

Enttäuschend war das Gespräch mit dem anästhesiologischen Chefarzt, der mein Vorhaben nicht wirklich unterstützte, da er eine schwangere Ärztin eher kürzer tretend als im OP-Saal sah. Trotzdem willigte er ein. Die Vereinbarung sah jedoch vor, dass ich jeden Morgen noch einmal ein persönliches Telefonat mit dem zuständigen Anästhesisten in „meinem“ Saal führen und die TIVA abklären sollte – der Beginn eines täglichen Kampfs, wie sich herausstellen sollte.

Ich war täglich den Launen des Anästhesisten am anderen Ende der Leitung ausgeliefert und kam mir wie eine Bittstellerin vor, dabei wollte ich einfach nur meinen Job ausüben und in meiner Weiterbildung vorankommen. Ich schätze, in etwa 60% der Fälle wurde „für mich“ eine TIVA gemacht (vornehmlich von weiblichen Kolleginnen), die restlichen 40% musste ich mich entweder um einen Ersatz kümmern, der mich vertrat oder eben die Narkosegase tolerieren. Teilweise verkam mein Arbeitsalltag in einen regelrechten Kampf mit Anästhesisten, die mir die Unschädlichkeit von Narkosegasen und den „geschlossen Kreislauf“ der Intubationskabelage predigten. Ein weiteres Argument war, dass man bei Eingriffen an der unteren Extremität ja weit genug von den Gasen weg sei. Den nachgewiesenermaßen sichersten Weg der TIVA für schwangeres Personal bei gleichzeitig vorteilhaftem Nebenwirkungsprofil für den Patienten (weniger Übelkeit, seltener PONV) wollten manche anästhesiologischen Kollegen einfach nicht gehen – der Grund ist mir bis heute nicht klar.

Eine Lanze kann ich für alle meine chirurgischen Kollegen und Vorgesetzten brechen, die mich unterstützt haben. Jede einzelne Op, die ich trotz dieser Widrigkeiten durchführen konnte, war mir den ganzen Stress wert und hat das Arbeiten in meiner Schwangerschaft zu einer wahren Freude gemacht. Die Zeiten im OP empfand ich als wohltuenden Ausgleich zur hektischen Stationsarbeit bei 40°C Außentemperaturen im Sommer 2018. Ich arbeitete bis zum Eintritt in den Mutterschutz ohne einen einzigen Tag AU und brachte im September 2018 ein gesundes Kind zur Welt.

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