Erfahrungsbericht von Frau Dr. Stefanie Donner

Frau Dr. Donner im OP

Meine Schwangerschaft habe ich meinem Vorgesetzten in der 12. Schwangerschaftswoche im Januar 2014 mitgeteilt. Zu diesem Zeitpunkt war ich auch dabei, meine Unterlagen für die Anmeldung zur Facharztprüfung abzugeben.

Während meiner ersten Schwangerschaft 2011 waren mir wie üblich sämtliche Tätigkeiten im OP untersagt und ich hatte vorwiegend Stations- und Ambulanztätigkeiten übernommen. Da ich im Rahmen meines Engagements im Jungen Forum der DGOU bereits von meiner Kollegin Maya Niethard mitbekommen hatte, dass es ihr gelungen war, ihre operative Tätigkeit fortzusetzen, verwendete ich die Unterlagen, die sie bereits zusammengestellt hatte (individuelle Gefährdungsbeurteilung, Literatur), um meinem Vorgesetzten und dem Betriebsarzt unserer Klinik den Vorschlag zu unterbreiten, weiter im OP tätig zu sein. Mein Vorgesetzter reagierte sehr positiv und sagte mir jede Unterstützung zu, die im Rahmen seiner Möglichkeiten lag. Der Betriebsarzt signalisierte ebenso seine Unterstützung, sah jedoch aus der Erfahrung der bisherigen Versuche dieses Vorhabens anderer Kolleginnen der gynäkologischen Abteilung wenig Chancen. Denn bisher hatte das Gewerbeaufsichtsamt ein striktes Veto eingelegt. Somit nahm ich selbst mit dem Gewerbeaufsichtsamt Wiesbaden Kontakt auf, führte einige Telefonate in denen ich meine Situation erklärte und ließ den Zuständigen diverse Literatur zukommen, um sie zu überzeugen. Ebenso ließ ich mir parallel von meiner Gynäkologin ein Attest ausstellen, in dem sie bestätigte, dass sie bei meiner vorliegenden unkomplizierten und stabilen Schwangerschaft keinen Einwand gegen eine operative Tätigkeit sähe.
Zur weiteren Organisation holte ich Informationen bei dem zuständigen Labor unserer Klinik über die Kosten des präoperativen serologischen Screenings ein. Zudem führte ich ein Gespräch mit dem Chefarzt der Anästhesiologischen Klinik über die Möglichkeit der Anpassung des Narkoseverfahrens während meiner Anwesenheit im OP. Auch er war einverstanden, bei Bedarf eine Totale Intravenöse Anästhesie (TIVA) oder eine Spinalanästhesie durchzuführen.
Schließlich fand am 12.5.2014 (27. SSW) eine Besprechung in unserer Klinik statt, bei der ein Beamter des Gewerbeaufsichtsamtes, mein Vorgesetzter, der Personalvorsitzende unserer Klinik, der Chef der Anästhesiologischen Klinik, der Betriebsarzt, der Beauftragte für Sicherheitsschutz, ein Vertreter der Mitarbeiterverantwortung (Betriebsrat) und ich teilnahmen. Hier wurden noch einmal die Punkte meiner individuellen Gefährdungsbeurteilung diskutiert und von allen Anwesenden bestätigt, dass sämtliche Schutzmaßnahmen eingehalten werden können. Auch wurde noch einmal betont, dass ich auf eigenen Wunsch meine operative Tätigkeit fortsetzen möchte. Schließlich wurde vom Vertreter des Gewerbeaufsichtsamtes bestätigt, dass unter diesen Bedingungen nichts gegen meine Tätigkeit im OP sprach.
Zwei Tage später, am 14.5.2014 absolvierte ich meine Facharztprüfung. Nach ein paar Tagen Urlaub kehrte ich am 3. Juni 2014 in meiner 30. SSW in den OP zurück und operierte bis zum letzten Tag vor Eintritt in den Mutterschutz (34. SSW). Ich hatte arthroskopische elektive Operationen ausgewählt. Während des Operierens und Assistierens ging es mir körperlich sehr gut, auch das Stehen bereitete mir keine Schwierigkeiten. Die Einhaltung der Schutzmaßnahmen und die Anpassung des Narkoseverfahrens stellten kein Problem dar. Ich versuchte im Vorfeld, meine Situation durch eine Notiz auf dem OP-Plan zu klären und Fragen zu beantworten bevor sie aufkamen.
Auch wenn es sich lediglich um eine Zeitspanne von fünf Wochen handelte, habe ich die Rückkehr in den OP sehr genossen und war sehr dankbar über die Unterstützung, die ich von sämtlichen Kollegen unserer Klinik für das Ziel „mit Babybauch zurück in den OP“ erhalten habe.

Am 11.8.2014 habe ich nach komplett unkomplizierter Schwangerschaft termingerecht meinen gesunden Sohn Emil zur Welt gebracht.

Dr. Stefanie Donner, Fachärztin in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des St. Josefs-Hospitals Wiesbaden