Erfahrungsbericht einer Fachärztin Viszeralchirurgie

Ich wurde 2011 schwanger und war damals bereits 3 Jahre Fachärztin; ich befand mich in einer Forschungsrotation, in der ich nur Nachtdienste (Bereitschaftsdienst) und Transplantationsrufdienste absolvierte. Dies waren ca. 5 Nächte Präsenzdienst/Monat und ca. 8 -10 Rufdienste für Implant/Explantationen, auch als verantwortliche Operateurin.

Es gab in meiner Klinik zu der Zeit nur eine Oberärztin mit Kind, eine Fachärztin mit Kind (Teilzeit und ohne Dienste) und ich hatte Angst um meine Karrierechancen, da ich unbedingt weiter operieren wollte. Alle weiteren Frauen, die Kinder bekamen (vor/nach FA) waren weggegangen, oder in die Poliklinik rotiert. Insofern ich total fit und gesund war und tagsüber nicht im Stations-/OP-Geschäft mitmachte, verheimlichte ich die Schwangerschaft bis zum 6. Monat total. Ich achtete beim Operieren darauf, keine Röntgenstrahlung abzubekommen (war nur bei Ports ein Thema und in der Rettungsstelle bei Polytraumaversorgung) und konnte mich OPs bei HCV-Patienten entziehen (mehr durch Glück).

Als der Bauch nicht mehr zu verstecken war, ging ich zum damaligen Chef und eröffnete ihm die Schwangerschaft. Er freute sich und stimmte zu, dass ichsofern ich ihm keinen "Strick" draus drehen würde weiteroperieren dürfe. Ich machte allerdings dann keine Dienste mehr (weder Bereitschafts-, noch Notdienste) und blieb im elektiven OP-Tagesgeschäft bei den meisten OPs dabei. Anfang des 8. Monats holte ich mir dann ein Beschäftigungsverbot, da tatsächlich die Sprüche im OP (von pflegerischen und Anästhesie-Kollegen) überhand nahmen. Gleichzeitig machte ich die Schwangerschaft offiziell beim Arbeitgeber bekannt (großes Theater, etc. ...).

Ingesamt also ein blödes Vorgehen, das mir letztlich nicht geschadet hat (durfte mit Spaß und Freude weiterarbeiten), aber eigentlich unnötig sein sollte.

Die ersten beiden Fachärztinnen nach mir, die einige Jahre danach schwanger wurden, hatten glücklicherweise dann eine Gefährdungsbeurteilung durch den Betriebsarzt und die Unterstützung des Chefs auf modizifiertes Weiterarbeiten, wie aktuell möglich (getestete Pat., TIVA, keine Dienste, kein Zwang). Die Betriebsärzte sind bockiger als die Klinikleitung bei uns. Beide Kolleginnen sind wieder in die Klinik eingestiegen, ins operative Geschäft.

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